Madame Missou

Die heilige Barbara – 1.800 Jahre Anerkennung als starke Frau

Heilige Barbara, St Barbara oder Barbara von Nikomedien - egal, wie wir sie nennen: Barbara, deren Namenstag wir am 04.12. feiern, war eine starke Frau mit einer unglaublichen Geschichte, an der ich dich teilhaben lassen möchte. Ob die Geschichte wahr ist? Nicht so wichtig. Es zählt nur, was wir aus der Geschichte für uns selbst mitnehmen können.

Wer war Barbara?

Bien sûr, nicht jeder kennt sich in den religiösen Geschichten gut aus. Das ist auch überhaupt nicht schlimm. Oftmals verstecken sich in diesen Erzählungen aber interessante Charaktere und wichtige Botschaften. Deswegen möchte ich dir die Person der heiligen Barbara heute vorstellen. Laut Überlieferung lebte sie im 3. Jahrhundert in Nikomedien (der heutigen Türkei) als Tochter eines reichen Kaufmannes. Geldsorgen hatte Barbara also in jedem Fall nicht. Und gutaussehend war sie auch noch. Ein Zuckerschlecken war ihr Leben trotzdem nicht.

Obwohl sie nun also hübsch und gutbetucht war, fühlte sich Barbara oft einsam und alleingelassen. Insbesondere, weil ihr misstrauischer Vater sie jedes Mal in einen hohen Turm sperrte, wenn er geschäftlich verreisen musste. Barbara war quasi eine Art frühes Rapunzel. Während einer dieser Reisen ihres Vaters kam Barbara mit dem Christentum in Kontakt und sah durch diese Religion endlich einen Sinn in ihrem Leben. Sie ließ sich taufen und schwor, von nun an ihr Leben Christus zu widmen. Unglücklicherweise wurden Christen zu der Zeit aufs Schärfste verfolgt; die Religion war nicht anerkannt. Auch Barbaras Vater war zutiefst bestürzt über die Entscheidung seiner Tochter. Um die Ehre seiner Familie und seiner Tochter zu retten, zeigte er Barbara an, die daraufhin, nach kurzer Flucht und Gefangennahme, zum Tode verurteilt wurde. Paradox und grausam, oder? Bewundernswert finde ich aber: Auch in dieser dunklen Stunde blieb die heilige Barbara ihrer Überzeugung treu.

Schwere Kost und kultureller Brauch

Ich gebe es offen zu, die biblischen Geschichten sind kein lockeres Lesevergnügen. Aber, wie bereits erwähnt, ist erstens nicht hundertprozentig geklärt, was sich damals mit Barbara genau zugetragen hat. Zweitens bleiben diese Erzählungen uns gerade wegen ihrer Radikalität oft lange im Gedächtnis. Im Falle von Barbara haben sich sogar internationale Brauchtümer aus dieser Überlieferung entwickelt.

Traditionell ist ihr Gedenktag, der Barbaratag, jedes Jahr am 04. Dezember. An diesem Tag ist es Brauch, Zweige von Obstbäumen (meist Apfel oder Kirsche) zu pflücken und in eine Vase mit Wasser zu stellen. Bis Weihnachten sollen sie aufblühen und die Wohnung schmücken. Die Tradition geht auf eine Legende zurück, nach der Barbaras Gewand sich bei ihrer Flucht aus dem Turm in einem Strauch verfing. Die abgerissenen Zweige stellte sie in ein Wasserglas. Am Tag ihrer Hinrichtung soll der Zweig geblüht haben. Auch heute noch glauben Menschen daran, dass Barbarazweige Glück bringen und Unheil im nächsten Jahr fernhalten. In manchen Gegenden ist es auch üblich, dass junge Mädchen die Zweige nach ihren Verehrern benennen. Der Zweig, der zuerst blüht, trägt den Namen des zukünftigen Ehemannes. Eine schöne Idee, oder?

Außerdem ist die heilige Barbara mittlerweile die Schutzpatronin einer Menge Leute. Unter anderem wacht sie über Bergleute, Architekten, Bauarbeiter und Dachdecker. Auch vor Blitz und Feuer soll sie schützen (ihr Vater wurde nämlich kurz nach Barbaras Hinrichtung vom Blitz getroffen).

Was bedeutet das für uns?

Warum ich dir das alles erzähle? Nun, Barbara wusste mit Sicherheit um die Konsequenzen ihres Tuns. Aufgehalten hat es sie trotzdem nicht. Aller Widrigkeiten zum Trotz – und mon dieu, die waren in ihrem Fall enorm – hat sie sich nicht von ihrem Weg abbringen lassen und fest an ihre Entscheidungen geglaubt. Eine bewundernswerte und starke Frau war sie, die sich nicht von scheinbar Mächtigeren einschüchtern ließ. Und obwohl es am Ende nicht glücklich für sie ausging, ist ihr Einfluss und ihr Vermächtnis bis heute weitreichend. Durch ihre Standhaftigkeit, ihren Mut und ihre Integrität ist sie sogar Soldaten ein Vorbild.

Uns drohen heute in den meisten Fällen glücklicherweise weit weniger schlimme Konsequenzen und trotzdem lassen wir uns hin und wieder klein machen oder verkaufen uns unter Wert. In solchen Momenten sollten wir uns an die starken, selbstbewussten Frauen auf der ganzen Welt, an ihre Geschichten und an ihre Taten erinnern. Manchmal braucht es nur ein besonders mutiges Vorbild, um auch unser eigenes Selbstbewusstsein wieder zu stärken.