Madame Missou

Frühlingsgefühle marsch!

Warme Sonnenstrahlen kitzeln das Gesicht, endlich kann man die Winterjacke gegen einen leichten Blazer tauschen und das erste Eis des Jahres hab ich mir auch schon gegönnt. Es ist Frühling, magnifique! Aber was wäre so ein richtiges Frühjahr ohne ein bisschen Verliebtheit? Und am besten in dich selbst!

Richtig gelesen. Warum sollten wir unsere Aufmerksamkeit und Zuneigung immer nur anderen schenken? Überleg mal, mit welcher Person verbringst du am meisten Zeit? Mit wem gehst du abends ins Bett und mit wem stehst du morgens auf? Wen kennst du in traurigen Moment ebenso wie in unglaublich glücklichen? Natürlich, diese Person bist du selbst! Und wie jeder andere auch, sehnst du dich nach Zuneigung und Anerkennung. Also gesteh sie dir zu! Der Frühling ist die Zeit der rosaroten Brille und ich setze sie dieses Jahr jedes Mal auf, wenn ich in den Spiegel schaue. Ein wunderbares Gefühl! Magst du es auch versuchen?

Die mentale Acht

Leider ist das mit der Selbstliebe oft leichter gesagt als getan. Ich kenne es aus eigener Erfahrung. Wie von selbst schleichen sich unangenehme Fragen ein: Wirkt dieses Verhalten vielleicht egoistisch? Oder der eigene innere Kritiker flüstert mal wieder: „Ach, das kannst du sowieso nicht“ – und ähnlich negative Sätze. Die meisten dieser Gedanken haben die Form der Zahl Acht. Eine unendliche Schleife, die immer wiederkehrt, um uns zu ärgern.

Im Laufe der Zeit haben wir gewisse Gedanken ganz ähnlich einem Mantra so oft mental wiederholt, dass der Pfad in unserem Geist dort ganz ausgetreten ist. Die schlechten Gedanken haben sich buchstäblich in unseren Kopf gegraben. Das können Ängste sein oder scheinbare Mängel am eigenen Körper, Neid, und vieles mehr. Jetzt kommt die gute Nachricht: Alles, was wir gelernt haben, können wir auch wieder verlernen, beziehungsweise einfach durch neue positive Gedanken und Gefühle ersetzen, die uns ein Stück näher zur Selbstliebe führen. Wiederhole zum Beispiel statt der letzten peinlichen Situation einfach das letzte Kompliment, das du bekommen hast – oder mach dir direkt selbst eins. Das mag zunächst ungewohnt sein, aber so entwickelst du langsam eine neue Acht in deinem Geist; eine die liebevoll, wohltuend und positiv ist.

Tschüss Perfektion!

Ein weiterer Stolperschein auf dem Weg zu bedingungsloser Selbstliebe ist unser Anspruch an uns selbst. Wir glauben nämlich grundsätzlich, wir müssten perfekt sein. Vielleicht noch zwei Kilo abnehmen, uns mehr um den Garten kümmern, besser kochen, modischer anziehen, schöner zeichnen. Wir sind uns selbst fast nie gut genug und da fällt es natürlich schwer, sich zu verlieben.

Aber ist das wirklich so? Denk mal an eine Person, oder auch ein Haustier oder ein Hobby, das du wirklich liebst. Sind die etwa ohne Ecken und Kanten? Dein Partner mag noch so wunderbar sein, er hat bestimmt auch in irgendeinem Bereich Defizite. Und selbst das liebste und klügste Haustier macht nicht immer, was es soll. Und dein Hobby? Vielleicht gehst du gerne reiten, aber da gehören auch noch eher unangenehme Tätigkeiten wie Ställe ausmisten dazu. Es ist also längst nicht alles, was du heiß und innig liebst, vollkommen perfekt. Das wäre ja auch langweilig, non? Viele Dinge lieben wir nicht trotz, sondern wegen ihrer kleinen Macken.

So sollte es auch in Bezug auf dich selbst sein. Befrei dich von Idealvorstellungen, die eher von außen als von innen – aus dir selbst heraus – kommen. Finde heraus, was dich begeistert und dann arbeite mit viel Nachsicht daran, die beste Version von dir selbst zu werden. Attention, die beste, nicht die perfekte! So etwas gibt es nämlich nicht.

„Ja“ und „Nein“ sagen

Zwei kleine Wörter mit ungeheurer Wirkung. Das „Ja“ steht für Akzeptanz und Hingabe. Es gehört viel Mut dazu, Dinge, die dir gegeben werden, vollkommen zu akzeptieren und anzunehmen, aber es ist ein wichtiger Schritt, um dich selbst inniger zu lieben. Dazu kann Positives gehören, wie eine Auszeichnung, die du natürlich gern akzeptierst. Aber auch negative Sachen, wie Krankheit oder Trennung. Auf manche Dinge hast du keinen Einfluss, andere hast du vielleicht vor einiger Zeit bewusst so entschieden. Aber insgeheim fragst du dich, ob ein anderer Weg nicht besser gewesen wäre. Vielleicht hast du kein Studium gemacht, sondern stattdessen eine gute Ausbildung.

Erkenn das an und sag dir selbst (und auch anderen): „Ja, ich habe nicht studiert, aber ich übe einen wunderbaren Beruf aus, der mich glücklich macht.“

Auch das Wörtchen „Nein“ ist wichtig. Es sorgt dafür, dass wir auf unsere eigenen Bedürfnisse hören und uns nicht übernehmen. Rücksichtnahme uns selbst gegenüber kann durch ein „Nein“ im richtigen Moment unterstützt werden. So, wie du deine Liebsten davor bewahren möchtest, sich zu viel aufzuhalsen, kannst du dich selbst auch beschützen.

Alors, dieser Frühling steht im Zeichen der Selbstverliebten – und das meine ich ganz und gar positiv. Wenn du mit dir selbst im Reinen bist, wird dir die warme Jahreszeit noch leuchtender vorkommen.