Madame Missou

Hier und heute statt „bald“ und „Weißt du noch?“

Sonnenlicht und Bewegung an der frischen Luft sorgen im Sommer für Entspannung. Aber wie schaffen wir es, auch im Herbst locker und gelöst zu bleiben? Bien sûr, der Begriff Quality Time ist für uns kein Fremdwort mehr. Aber wie nutzen wir unsere Zeit nun am besten, wenn es wieder stressiger wird? Wie geben wir unserer Zeit Qualität?

Von dem gefährlichen Hype um das Multitasking habe ich dich ja bereits in meinem Beitrag vor ein paar Wochen gewarnt. Ich komme darauf zurück, weil Quality Time genau das Gegenteil des Multitaskings ist. Autofahren und mit dem Beifahrer quatschen, Kochen und dabei am Telefon hängen – die Verlockung, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, und so am Ende vielleicht mehr Zeit übrig zu haben, ist groß. Das ist aber leider ein Trugschluss. Wir verfahren uns, versalzen die Suppe und hören der Freundin nicht aufmerksam zu. Deine Zeit ist kostbar (die der anderen übrigens auch!) und am besten nutzt du sie, indem du dich bewusst auf eine Sache konzentrierst. Das steigert die Qualität der Ergebnisse und damit deine eigene Zufriedenheit. Ich weiß, Singletasking ist eine Herausforderung. Aber mit ein paar Tricks, gelingt es im Nu!

Leb in der Gegenwart

Klingt selbstverständlich, oder? Wo solltest du auch sonst leben? Meist sind wir aber mit unseren Gedanken eben nicht im Hier und Jetzt, sondern bei den Aufgaben für morgen oder wir gehen wieder und wieder die peinliche Situation von vor ein paar Stunden durch. Glaub mir, ich kenn dieses Gedankenkarussell nur zu gut.

Das Ende vom Lied ist, dass wir dem Augenblick keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Wir nutzen unsere Zeit nicht effektiv für den Moment, sondern verschwenden sie an Dinge, die wir entweder nicht mehr ändern können oder die noch nicht wichtig sind. Alors, wenn wir unsere Zeit sinnvoll nutzen wollen, ist Aufmerksamkeit das Stichwort: uns selbst und anderen gegenüber.

Aufmerksam sein heißt wertschätzen

Kennst du das auch? Besonders gerne denke ich an Gespräche und Momente zurück, in denen ich die volle Aufmerksamkeit meines Gegenübers hatte. Dabei ist egal, ob es sich um eine Freundin, meinen Mann oder den Chef handelt. Wenn das Smartphone in der Tasche bleibt und der Gesprächspartner sich voll auf mich konzentriert, versetzt mich das in ein regelrechtes Hoch. So entstehen intensive, fesselnde und authentische Gesprächssituationen.

 

Genau das ist der Trick. Wenn wir im Moment leben und uns nicht mit Dingen beschäftigen, die gerade ganz weit weg sind (oder sein sollten!), können wir unsere Zeit auskosten. Wir können unserem Partner wirklich zuhören und ein Gespräch aufbauen, das nicht nur so larifari nebenher läuft oder eine besondere Situation schaffen, die lange und vor allem positiv im Gedächtnis bleibt.

Mal ist es ein Marathon, mal nur ein Sprint

Gerade wenn du mit jemandem zusammenlebst, ist es ganz normal, dass du nicht immer die Zeit oder auch die Lust für ausführliche Gespräche hast. Manchmal holt uns das Leben einfach ein, nicht wahr? Ich zum Beispiel werde einfach nicht gerne gestört, wenn ich in einem guten Buch schmökere. Ein Aspekt von Achtsamkeit ist es nämlich auch, dir bewusst zu machen, was du mit dem jeweiligen Moment anfangen möchtest. Und wenn du gerade lieber deine Zehennägel lackierst, dann tu das bewusst und lass dich nicht stören.

Aufmerksamkeit und Respekt für die Bedürfnisse unseres Gegenübers sind die Zauberzutaten für eine gesunde Beziehung. Wenn du sie deinem Partner entgegenbringst, indem du ihm regelmäßig deine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkst, darfst du auch Zeit für dich einfordern – und du wirst sehen, dein Partner wird sie dir gerne geben. Denn wenn die allgemeine Qualität der gemeinsamen Zeit durch Achtsamkeit steigt, kommt es nicht darauf an, ob du an einem Tag mal nur 30 Minuten Zeit für ihn hast.

Zurück in die Gegenwart finden, wenn die Gedanken rennen

Und wenn deine Gedanken sich mal wieder verselbstständigen und die Gegenwart links liegen lassen wollen? Da mir das auch hin und wieder passiert, habe ich einen guten Trick für dich. Besinn dich. Damit meine ich, konzentrier dich ein paar Minuten bewusst auf das, was du mit deinen Sinnen wahrnimmst.

  1. Was siehst du? Benenn und beschreib drei Gegenstände in deiner Umgebung in Ruhe und der Reihe nach.
  2. Was hörst du? Beschreib für dich drei Geräusche, die momentan an deine Ohren dringen.
  3. Was spürst du? Einen erfrischenden Windhauch? Den weichen Teppich unter deinen Füßen? Lass dir Zeit, um drei Dinge für dich selbst zu ergründen.

Nach dieser Übung merke ich stets, dass ich viel ruhiger und entspannter werde und mich wieder bewusst auf mich und meine Mitmenschen konzentrieren kann.

Wertschätzung und Aufmerksamkeit sind das Erfolgsduo für mehr Quality Time, also Zeit, die wir bewusst leben und sinnvoll nutzen. Um das zu erreichen, sollten wir so oft wie möglich im Augenblick leben und keine überflüssige Energie an das Gestern und Morgen verschwenden. Voilà, wir haben nicht mehr das Gefühl, dass das Leben an uns vorbeirast, sondern können den Moment genießen. So gelingt es uns, die entspannte Haltung des Sommers mit in den Herbst zu nehmen.