Madame Missou

Komm, wir lesen uns schlau!

Am 15. Januar war Wikipedia-Tag. Und obwohl ich die Stimme meiner Mutter noch im Ohr habe, die zu sagen pflegte „Nichts geht über das gute alte Buch“, und als Autorin hier auch zustimme: Insgeheim sind wir doch froh, dass wir für neues Wissen mittlerweile keine kiloschwere Enzyklopädie mit uns schleppen müssen, non?

Bien sûr, manches, was im Internet steht, ist natürlich Quatsch. In London hat es zum Beispiel letztens das Lokal „The Shed at Dulwich“ auf den ersten Platz der TripAdvisor-Kategorie „bestes Restaurant“ geschafft. Die Sache hatte nur einen Haken: Das Restaurant existierte gar nicht. Mit gefakten Fotos und Rezensionen von Freunden hat sich der Engländer auf den ersten Platz geschmuggelt – ohne überhaupt je einen Gast empfangen zu haben. Das verdient auch schon einen gewissen Respekt, oder?

Wikipedia, so nutzen wir Schwarmwissen

Wir sollten also bei allen Informationen, die uns im Internet angeboten werden, etwas vorsichtig sein und nicht alles blind glauben, was uns „serviert“ wird. Insbesondere bei Wikipedia kann jeder, der sich ein Profil zulegt, Informationen beisteuern. Das ist auf der einen Seite natürlich etwas riskant. Falschinformationen können so leicht gestreut werden.

Auf der anderen Seite ist die Kontrolle durch die Masse an Kontributoren schon recht gut. Außerdem hat auch Wikipedia mittlerweile eine Menge Qualitätskriterien und Prüfverfahren. Wir kommen also in den Genuss eines riesigen Schwarmwissens. Jeder hat besondere Kenntnisse in einem Bereich und wir können alle davon profitieren. Dabei erfährt man wirklich erstaunliche Dinge:

Ich habe zum Beispiel einfach mal aus Spaß das Wort „Madame“ ge-wikipedia-t und war schon von der ersten Ergebnisseite angetan. Statt einer Definition des Begriffs wurden mir zunächst unterschiedliche Kategorien vorgeschlagen: Das Wort „Madame“ in Filmtiteln, Theaterstücken, Romanen und schließlich natürlich als Namenszusatz. Alles auf einen Blick. Wow, auf der nächsten Seite konnte ich dann direkt die Wortherkunft recherchieren: Es handelt sich um eine Zusammenziehung aus dem französischen Pronomen „ma“ (meine) und dem Substantiv „dame“ (Dame) und war zunächst als Ansprache nur dem Adel vorbehalten. Gut, dass sich das geändert hat, sonst wäre ich heute nicht Madame Missou!

Wikipedia über Wikipedia

Nach meiner Recherche über „Madame“ wollte ich noch mehr wissen. Und zwar über die Wikipedia selbst. Und – wer hätte es gedacht – natürlich hat Wikipedia auch eine Seite über sich selbst. Eine ziemlich ausführliche sogar. Die wichtigsten (und lustigsten) Fakten habe ich für dich zusammengetragen.

Starten wir mit den trockenen Fakten:

  • Wikipedia ist ein Kofferwort aus „wiki“ und „encyclopedia“ (Enzyklopädie). Als Wiki bezeichnet man übrigens eine Webseite, deren Inhalte von Besuchern nicht nur gelesen, sondern auch direkt im Browser geändert werden können.
  • Ursprünglich gab es nur die englische Version, die auch heute noch die meisten Artikel enthält. Aber auch andere, länderspezifische Wikipedia-Seiten haben sich relativ schnell entwickelt. Sie alle unterscheiden sich sowohl vom Inhalt her, als auch in ihren Richtlinien, wenn es ums Posten und Editieren geht.
  • Mittlerweile ist Wikipedia in sage und schreibe 299 Sprachen verfügbar.
  • Auf der Weltrangliste der erfolgreichsten Internetseiten rangiert die Wikipedia auf Platz 6.

Und nun etwas zum Lachen und Stirnrunzeln:

  • Wikipedia lebt von ihren gut recherchierten und nützlichen Artikeln, das ist klar. Allerdings ist auch eine ganze Reihe an verrückten und mitunter leicht sinnlosen Einträgen darunter versteckt, bei denen ich doch herzlich lachen musste. Oder hast du dich schon einmal gefragt, was passiert, wenn du deinem Partner einen nur halb fertig gestrickten Pullover schenkst? Nun, laut dem Wikipedia-Eintrag „Sweater Curse“ (dt. Pullover-Fluch) sorgt das mit ziemlicher Sicherheit dafür, dass dein Partner dich verlassen wird. Ein weiterer, recht ausführlicher Beitrag ist in der englischen Wikipedia der 5-Sekunden-Regel gewidmet (Essen, das auf den Boden gefallen ist, darf noch unbesorgt gegessen werden, wenn es innerhalb von 5 Sekunden aufgehoben wird). Fazit: Es herrscht noch Uneinigkeit darüber ob diese Regel wirklich allgemein gültig ist … hmmmm, im Zweifel würde ich lieber die Finger davonlassen.
  • Wikipedia hat einen offiziellen Song, und zwar: „Hotel Wikipedia“, angelehnt an den Original-Hit „Hotel California“ von den Eagles.
  • Wikipedia hat eine Richtline namens „Keine wütenden Mastodonten“ („No angry mastodons“). Nein, ich will dich nicht auf den Arm nehmen. Die Online-Enzyklopädie benutzt viele lustige Namen für ihre Richtlinien. Diese besondere fordert die Nutzer auf, nicht zu posten, wenn sie wütend sind.
  • Es gibt einen Ideenpool, bei dem es darum geht, welches der letzte Artikel sein wird, der jemals auf Wikipedia veröffentlicht wird. Hast du Lust mitzuraten? Bisher stehen auf der Liste zum Beispiel Vorschläge wie: „So teilt man durch Null“ und „Die letzte Ziffer von Pi“.

Voilà, mit diesen Anekdoten rund um unser heimliches Lieblingslexikon verabschiede ich mich für heute und überlege gleich mal, über welches Phänomen ich mich als nächstes informiere.