Madame Missou

Das Flohmarkt-Gefühl

In der Morgendämmerung aufstehen, eine Thermoskanne voll mit dampfendem Kaffee, ein paar alte Umzugskartons im Auto – und auf in die Stadt. Dort warten nette Gespräche, interessante Geschichten, ein Stück Befreiung mit jedem Verkauf und vielleicht auch das ein oder andere Scheinchen. Zusammen ergibt das: das Flohmarkt-Gefühl!

Alors, wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan vom Aufräumen und Aussortieren bin. Nicht etwa, weil ich ein absoluter Ordnungsfanatiker wäre, sondern, weil es, wenn man sich einmal dazu aufraffen konnte, einfach ein herrlich befreiendes Gefühl ist. Kleidung, die ansonsten wertvollen Raum im Schrank blockiert und die sowieso nicht mehr getragen wird, Mitbringsel und Nippes, der nun vor allem noch als Staubfänger dient – meist haben wir uns so an diese Dinge gewöhnt, dass sie uns nicht mehr unmittelbar auffallen. Unterbewusst kann uns dieses „Zuviel“ aber auch belasten.

Platz für Neues schaffen

Deswegen ist es ab und an notwendig, alte Dinge loszulassen und uns wieder auf das Hier und Jetzt und das Wesentliche zu konzentrieren. Falls dir regelmäßiges Ausmisten schwerfällt, melde dich doch einfach mal für einen Flohmarkt in deiner Nähe an. Insbesondere jetzt im Sommer gibt es oft in vielen Städten und Gemeinden kleinere und größere Trödelmärkte. So hast du einen festen Termin, an dem sich nicht rütteln lässt, und kannst dem inneren Schweinehund eins auswischen.

Die richtigen Sachen auswählen

Bien sûr, ich weiß schon. Das mit dem Aussortieren ist immer leichter gesagt als getan. Wie finden wir denn nun die Dinge, die noch schön und „neu“ genug sind, um sie guten Gewissens weiterzuverkaufen und von denen wir uns trotzdem ohne großen Herzschmerz trennen können? Ich habe mir zur Orientierung mal drei Flohmarkt-Kategorien überlegt:

1. Doppeltes

Nach einem Umzug, Auszug oder Zusammenzug gibt es häufig ein Masseproblem. Das heißt: Vieles ist plötzlich doppelt vorhanden. Entweder, weil man es von Freunden oder Verwandten mehrfach zum Einzug geschenkt bekommt (Klassiker: Salatbesteck) oder weil man mit dem Freund / der Freundin zusammenzieht und beide ihre Einrichtung mitbringen. Hier hast du einen wunderbaren Fundus für verkaufenswerte Dinge, die du nachher kaum vermissen wirst.

2. Abgelaufenes

Vraiment, ich meine natürlich keine Lebensmittel! Oftmals ist es aber doch so, dass wir Dinge für einen bestimmten Lebensabschnitt brauchen (Schule, Ausbildung, Studium) und sie danach in der Ecke versauern lassen. Prädestiniert dafür sind Fachbücher. Vermutlich wirst du nie wieder einen Blick in das Abivorbereitungsbuch zum Thema „Gedichte des späten 19. Jahrhunderts“ werfen, auch wenn du es dir noch so fest vornimmst. Jemand, der gerade mitten im Lernstress steckt, wird sich aber mit Sicherheit darüber freuen, es für wenig Geld (und eventuell sogar mit hilfreichen Randnotizen) von dir kaufen zu können.

3. Ungenutztes

Kleidung, die du länger als ein Jahr nicht getragen hast, oder Spiele, die du das letzte Mal rund um die Jahrtausendwende aus dem Schrank geholt hast, dürfen gehen, ohne, dass du ein schlechtes Gewissen haben musst. Sie hatten ihre Zeit – und nun ist Zeit für etwas Neues!

Der Preis ist heiß!

Hast du dich erst einmal für die Dinge entschieden, die mit zum Flohmarkt dürfen, geht die Grübelei weiter: Wie viel Geld solltest du für deine Sachen nehmen? Ein genereller Tipp: lieber zu wenig als zu viel! Wer direkt von teuren Preise abgeschreckt wird, schaut sich deine Auslage vielleicht gar nicht genauer an. Die Leute kommen schließlich, um Schnäppchen zu machen. Ich persönlich gehe sehr gerne und auch recht oft auf Trödelmärkte. Daher habe ich im Laufe der Zeit Erfahrungen gesammelt, welche Preise für welche Produkte gut funktionieren:

  1. Kleidung: Nicht mehr als 10 Euro pro Kleidungsstück, es sei denn, es ist ein kaum getragener Markenartikel. In dem Fall platzierst du das Etikett am besten gut sichtbar.
  2. Schuhe: Auch hier gilt in den meisten Fällen eine Obergrenze von 10 Euro, eher etwas weniger. Außerdem solltest du deine Schuhe vorher auf Hochglanz polieren und sie ansprechend auf einem Tisch präsentieren, statt in einer Kiste oder auf dem Boden.
  3. CDs/DVDs/Kassetten: Auch wenn das Herz blutet. In Zeiten von Netflix, Spotify und Co. hat das Streamen die Disks und Kassetten abgelöst. Wenn du sie verkaufen willst, für nicht mehr als 5 Euro. Für Kassetten eher Richtung 1 Euro.
  4. Antiquitäten: Du hast etwas wirklich Besonders oder Antikes? Hier darfst du den Preis ruhig hoch ansetzen. Eine Tiffany-Lampe darf auch auf einem Flohmarkt für 150 Euro angeboten werden.

Vermutlich wirst du es mit Feilschern zu tun bekommen. Ärger dich nicht darüber. Auch wenn du am Ende statt 100 Euro nur 70 eingenommen hast – das sind immer noch 70 Euro mehr, als du vorher hattest. Du hast anderen eine Freude bereitet und gehst selbst mit weniger Ballast nach Hause. Das Flohmarkt-Gefühl eben.