Madame Missou

Die Gedanken sind frei … und die Presse?

Mon dieu, im Mai reiht sich ein Feiertag an den nächsten. Aber nicht nur die gesetzlichen Feiertage, die natürlich besonders toll sind, weil wir nicht zur Schule, Uni oder Arbeit müssen, sind wichtig. Es gibt auch viele Tage, die nicht mit Freizeit im Gepäck kommen, aber deshalb nicht weniger bedeutsam sind.

Alors, Hand aufs Herz: Kennst du all die Feier- und Gedenktage, die sich in unserem Kalender tummeln? Ich, ehrlich gesagt, nicht. Wenn es nicht gerade ein gesetzlicher Feiertag ist, sind wir uns nur in den seltensten Fällen darüber bewusst, welche Bedeutung ein gewisses Datum hat – Geburts- und Hochzeitstage vielleicht mal ausgenommen. Dabei gibt es wirklich viele Feiertage, die es nicht bis zum Status eines Ferientags geschafft haben und trotzdem enorm wichtig sind. Über den Welttag des Buches habe ich letzte Woche schon am Rande berichtet. Da mag die eine oder andere sich vielleicht nicht direkt angesprochen fühlen. Welcher Tag meiner Meinung nach aber wirklich mehr Beachtung verdient, ist der 3. Mai, seit 1994 der internationale Tag der Pressefreiheit.

Was bedeutet eigentlich Pressefreiheit?

Wenn wir von Pressefreiheit sprechen, meinen wir in der Regel die äußere Pressefreiheit, also den Einfluss – oder besser: den nicht vorhandenen Einfluss – von Institutionen wie Staat oder Kirche auf die Presse. Es gibt aber zumindest in Deutschland auch eine rege Diskussion um die innere Pressefreiheit. Das ist die Unabhängigkeit eines Journalisten von der Meinung seines Herausgebers oder der Ausrichtung des Mediums, für das er tätig ist. Medium – attention, das ist wichtig – meint hier ausdrücklich auch Fernsehen, Onlinemagazine und Radio. Viele denken bei dem Begriff Pressefreiheit nämlich nur an Printzeitungen – und das wäre natürlich fatal.

Die Pressefreiheit soll also kurz und knapp sicherstellen, dass Reporter objektiv berichten dürfen und dafür von keiner Seite mit Sanktionen rechnen müssen.

Pressefreiheit in Deutschland und Frankreich

Da ich aus zwei Welten stamme und mich in beiden Ländern zu Hause fühle, finde ich es immer besonders spannend, mir anzuschauen, wie, wo und ob Deutschland und Frankreich sich unterscheiden. Auch beim Thema Pressefreiheit habe ich einige interessante Dinge erfahren:

In Deutschland ist die Pressefreiheit im Grundgesetz geregelt und umfasst den kompletten Ablauf der Berichterstattung von der Informationsbeschaffung bis hin zur Verbreitung. Aber es geht sogar noch weiter: Journalisten haben ein sogenanntes Zeugnisverweigerungsrecht. Das bedeutet, sie können beispielsweise nur unter erschwerten Bedingungen in Strafprozessen befragt werden. Auch wer überhaupt die Ausbildung zum Journalist machen darf, ist nicht staatlich reglementiert. Deshalb gibt es die vielen privaten Journalistenschulen, die zwar leider teuer sind, aber auch sicherstellen, dass der Staat hier nicht unbefugt mitmischt.

Es macht mich ein bisschen Stolz, dass meine Heimat Frankreich im Bereich der Presse eine gewisse Vorreiterstellung einnimmt: Die erste Zeitung überhaupt (Relation) wurde zwar von einem Deutschen herausgebracht, erschien aber in Straßburg. Ebenso kommt das Wort „Journalist“ von dem französischen „jour“ (=Tag), und auch die erste periodisch erscheinende Zeitung war französischer Herkunft. Leider hören die guten Nachrichten damit auf. Denn in Frankreich wird die Abkopplung der Presse vom Staat längst nicht so eng gesehen wie in Deutschland. Ganz im Gegenteil: Französische Reporter sind dazu verpflichtet, stets die aktuelle Regierung zu unterstützen. Der Ansatz ist also ein anderer als in Deutschland

Haben ist definitiv besser als brauchen – der Tag der Pressefreiheit ist wichtig!

Mit der Pressefreiheit ist es wie mit vielen Dingen im Leben: Oftmals fällt uns erst auf, dass wir etwas vermissen, wenn es nicht mehr da ist. Objektive Berichterstattung ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Errungenschaften der modernen Welt und sollte nicht als selbstverständlich angesehen werden. Immerhin gibt es noch immer viele Länder auf der Welt, in denen Pressefreiheit ein weit entfernter Traum ist.

Wusstest du zum Beispiel, dass es ähnlich der Organisation Ärzte ohne Grenzen auch einen Zusammenschluss aus Journalisten gibt? Die Reporter ohne Grenzen. Ich finde das fantastisch! Jedes Jahr nutzen sie den internationalen Tag der Pressefreiheit, um beispielsweise auf die Inhaftierung von Journalisten aufmerksam zu machen und eine Weltkarte zu gestalten, auf der genau ersichtlich ist, in welchen Ländern ein hoher beziehungsweise geringer Grad an Pressefreiheit herrscht. Im Jahr 2016 war Finnland der eindeutige Gewinner. Eritrea im nordöstlichen Afrika landete leider auf dem letzten Platz.

Alors, lass uns also diesen Tag nutzen, um zumindest mental all die Journalisten und Reporter zu unterstützen, die Tag für Tag einen super Job machen und dafür nicht selten einiges riskieren. Ich glaube, ohne eine unabhängige Berichterstattung wären wir in der heutigen Welt der Informationsflut ein Stück weit verloren. Deswegen ziehe ich mich jetzt mit meiner Tageszeitung zurück und schaue, was in der Welt so passiert.