Madame Missou

Einssein oder Einsam sein?

Der Herbst hat viele tolle Seiten: Kürbiscremesuppe, bunte Blätter und Kastaniendekorationen, um nur die Offensichtlichsten zu nennen. Ich zum Beispiel finde es auch schön, wieder mehr Zeit mit mir zu verbringen und richtig zu entspannen. Dabei bin ich auf die Meditation gestoßen …

Wenn der Sommer langsam, aber sicher zur romantischen Erinnerung an Sonnenbrände und Badestrände verblasst, stelle ich oft fest, dass abendliche Treffen mit Freunden genauso schnell aus dem Kalender verschwinden wie hitzefrei oder Sommerurlaub. Vraiment, natürlich treffe ich mich auch in der goldenen Jahreszeit noch mit Fabienne und Co, aber es ist einfach nicht mehr so hochfrequentiert wie im Sommer, als an jedem Wochenende ein Grillfest, ein Freizeitpark- oder Schwimmbadbesuch anstand. Und, weißt du was, liebe Leserin? Ich genieße das! Denn so habe ich auch endlich mal wieder Zeit, mich ganz auf mich zu konzentrieren und darauf zu hören, was mir guttut. So habe ich auch zur Meditation gefunden, die ich dir hier (wirklich ganz ganz) kurz vorstellen möchte. Denn zu diesem Geistestraining könnte man so viel mehr sagen, als in einen Blogbeitrag passt.

Lotussitz und „Ohm“ – ist das Meditation?

Um es kurz zu machen: Nein! Meditation gibt es in allen möglichen Ausprägungen und Formen. Im Kern geht es nicht darum, wo du dich befindest und welche Geräusche du dabei machst, sondern darum, wie du dich fühlst – sowohl körperlich als auch mental. Meditations-Fans berichten von Erfahrungen des Einsseins mit allem, was uns umgibt. Keine Trennung mehr, ich bin du und du bist ich. Das mag vielleicht für den Anfang noch sehr weit weg sein von der doch sehr dreidimensionalen Erfahrung, die wir jeden Tag machen. Wissenschaftlich erwiesen ist aber mittlerweile, dass regelmäßiges Meditieren unser Gehirn quasi umprogrammiert. Auf der mentalen Seite hilft es, Verhaltensmuster zu durchbrechen, Ängste zu kontrollieren, zu Entspannung zu finden (und zwar ganz ohne Schokolade und Netflix), die Konzentration zu steigern … ach, die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Auf der körperlichen Ebene hilft es zum Beispiel bei chronischen Schmerzen wie Migräne und Verspannungen.

Ich habe noch keine Schokoladensorte gefunden, die all das in einem schafft. Und das ist doch schon fast Grund genug, es einfach mal auszuprobieren, non? Jetzt im Herbst, wo wir unsere Zeit sowieso wieder vermehrt im gemütlichen Heim verbringen, ist die perfekte Zeit für kleine Meditationsübungen im Alltag gekommen.

Schaffe deinen eigenen Meditationsraum

Gerade für den Anfang ist es wichtig, dass du dir für deine Meditation einen Ort suchst (oder schaffst), an dem du Ruhe hast und entspannen kannst. Wenn du erst einmal geübt bist und dein Geist geschult, kannst du später quasi überall eine schnelle Meditation einschieben – an der Supermarktkasse, in der Straßenbahn, auf der Arbeit. Als Einsteiger solltest du dir aber bewusst einen Meditationsraum schaffen.

Verändere deine gewohnte Umgebung ein klein wenig – nur so viel, dass du dich noch sicher, geborgen und heimisch fühlst – aber schon so, dass es nicht mehr „alltäglich“ aussieht. Du kannst zum Beispiel Kerzen oder auch Räucherstäbchen anzünden, wenn du magst, oder indirektes, sanftes Licht zur Hilfe nehmen. Besonders gut eignen sich auch warme Erdtöne in deiner direkten Umgebung. Wenn deine Zeit es zulässt, wechsele in ein bequemes Outfit, das dich nicht einengt. Schon das Umziehen kannst du zu einem Ritual machen: Der Stress wird abgelegt, die Ruhe angezogen.

Und nun auf zu neuen Ufern

Zum Schluss möchte ich dir noch eine meiner Lieblingsübungen vorstellen. Aber bitte denk dran: Das heißt nicht, dass es auch deine Lieblingsübung sein muss. Meditation ist sehr individuell, für jeden funktioniert etwas anderes gut. Betrachte das hier also als Inspiration nicht als der Weisheit letzter Schluss:

Bei der Visualisierungsreise geht es darum, einen Gedankenraum zu schaffen, in den du immer wieder zurückkehren kannst. Am besten widmest du dich der Übung morgens, wenn du noch im Bett liegst. Stelle dir einen Timer mit angenehmem Ton auf 15 Minuten. Dann schließ die Augen und erschaffe einen Ort. Es ist völlig egal, was für einen: Tempel, Garten, Park, Unterwasserlandschaft, Strand… Lass dein Unterbewusstsein hingehen, wo es hingezogen wird. Dann betrittst du diesen Raum und malst immer mehr Details dazu: Klänge, Gerüche, Farben, Formen, alles, was dir durch den Kopf geht. Bleib auf jeden Fall so lange in deinem Gedankenraum, bis der Wecker klingelt. Vermutlich verspürst du irgendwann Langweile, vielleicht sogar Ungeduld: Das ist dein Geist, der sich gegen das Ungewohnte wehrt. Lass ihn nicht gewinnen. Nach einer Weile wirst du dich auf deine Gedankenreisen freuen, sie entspannen dich für den ganzen Tag, deine inneren Räume werden immer detailreicher und du immer gelassener.