Madame Missou

Gib dich nicht an der Bürotür ab

Achtsamkeit und Selbstliebe – das sind Themen, die im Moment viel Aufmerksamkeit erregen. Zum Glück, finde ich! Trotzdem setzen wir sie viel zu oft nur im privaten Bereich um und vergessen dabei den beruflichen. Aber insbesondere im Job ist Achtsamkeit eine wichtige Komponente für Glück und auch für Erfolg.

Alors, woran denkst du, wenn du das Wort Multitasking hörst, liebe Leserin? Vermutlich schießen dir Begriffe durch den Kopf wie: effizient, organisiert, erfolgreich … vielleicht auch „eine typisch weibliche Fähigkeit“. Wer multitasken kann, wird bewundert. Soll ich dir etwas verraten? Multitasking ist ein Mythos! Und es wird Zeit, dass wir uns von ihm lösen und die Achtsamkeit im Beruf an seine Stelle setzen.

Multitasking günstig abzugeben

Zugegeben, das ist erst einmal schwer. Wir haben uns so sehr an das Bild der wirbelnden Frau mit zwei richtigen und fünf imaginären Armen gewöhnt, dass es fast etwas wehtut, sich davon loszusagen. Allerdings: Unser Gehirn ist nicht für Multitasking gebaut – war es auch nie. Es kann immer nur einer Sache die volle Konzentration schenken. Heißt also, wenn wir mehrere Dinge gleichzeitig tun, machen wir eigentlich einfach nur mehrere Dinge schlechter, als wir könnten. Und fühlen uns auch noch wesentlich gestresster dabei. Wohin das auf Dauer führt, zeigt nicht nur unser eigenes Befinden, auch diverse Studien belegen es: Im Jahr 2017 hatten die jährlichen Krankheitstage aufgrund psychischer Belastungen bei Frauen im Vergleich zum Jahr 1997 um 284 Prozent zugenommen.

Alors, Zeit für Achtsamkeit auf der Arbeit und nicht nur während der Yogastunde.

Der Zen-Mönch

Wenn du jetzt Angst hast, deine Arbeit vielleicht nicht mehr zu schaffen, sobald du das Multitasking aufgibst, möchte ich dich mit einer kleinen Geschichte beruhigen. Es handelt sich um ein uraltes asiatisches Gleichnis eines Zen-Mönchs:

Ein alter Mann wurde gefragt, warum er trotz seiner vielen Aufgaben immer so gelassen und glücklich blieb. Seine Antwort:

„Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich liebe, dann liebe ich ...“

„Aber das tun wir doch auch“, erwiderten die Fragesteller.

„Nein“, sagte der Mann zu ihnen.

„Wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon, wenn ihr steht, dann lauft ihr schon und wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.“

Immer nur das tun, was du tust

Diese kleine Geschichte kannst du dir immer wieder ins Gedächtnis rufen, wenn der Stress auf der Arbeit dich zu überwältigen droht. Und an noch etwas solltest du dich erinnern: Es ist immer besser, eins nach dem anderen zu erledigen. So kannst du jeder Aufgabe deine volle Aufmerksamkeit schenken und sie damit im Endeffekt schneller und sorgfältiger beenden. Auch wenn Kollegen dich um etwas bitten: Sei ehrlich! Wenn du schon zu viel auf deiner Agenda stehen hast, darfst du das sagen. Am Ende hilft es keinem, wenn du mit deiner eigenen Arbeit nicht weiterkommst, weil du unterwegs noch zehn Löcher an anderen Baustellen gestopft hast.

Für volle Konzentrationsfähigkeit ist noch eine andere Sache unerlässlich: Pausen! Wenn es dir schwerfällt, dich von der Arbeit loszureißen, kannst du dir zum Beispiel eine App herunterladen, die dich daran erinnert, jede Stunde mal für ein paar Minuten loszulassen, tief durchzuatmen, die Augen zu schließen oder dir einen Tee zu kochen. So bleibst du den ganzen Arbeitstag über fit und konzentriert – und das jeden Tag. Das werden auch die Kollegen bemerken und irgendwann schielen wir dann hoffentlich bewundernd zu den Personen herüber, die so richtig achtsam mit sich und anderen umgehen, statt verzweifelt zehn Bälle in der Luft zu halten.