Madame Missou

„Jetzt mach mal halblang!“ - Warum Pausen wichtig sind

Warte mal kurz … wie schmeckt dein Kaffee? Wie schmeckt er wirklich? Ein wenig zu bitter? Schon fast kalt? Anders als der aus dem Kaffeeautomat? Oft nehmen wir uns zu wenig Zeit, um im Hier und Jetzt zu leben – und verpassen die kleinen Momente, die zählen.

Alors, im Alltag ist es schon fast zu leicht, mit dem Kopf stets einen Schritt weiter zu sein. Während frau noch im Bett liegt, ist sie in Gedanken schon auf dem Weg zur Arbeit, auf der Arbeit gedanklich bereits im Sportkurs und beim Sport eigentlich schon mit dem Abendessen beschäftigt. Aber dabei geht etwas ganz Wesentliches verloren: das Leben im Hier und Jetzt! Und das ist eigentlich das einzige Leben, das wirklich existiert. Klingt esoterisch? Ist es gar nicht. Denk einmal drüber nach: Was gestern passiert ist, ist schon längst vorbei und was in einer Stunde passieren wird, können wir niemals mit Sicherheit wissen. Es wird Zeit, dass wir in unserem eigenen Leben bleiben – und dafür brauchen wir Pausen.

Pause ist nicht gleich Pause

Für meinen Ratgeber „Madame Missou meditiert“ habe ich mich natürlich ausgiebig mit verschiedensten Meditationstechniken beschäftigt – und so unterschiedlich sie auch sind, sie alle haben ein ähnliches Mindset als Grundlage. So wie der Körper Bewegung braucht, um voll aufzublühen, braucht der Geist Ruhe. Die müssen wir ihm bewusst geben, indem wir zwischendurch immer wieder versuchen, uns auf den Moment zu konzentrieren.

Dafür reichen anfangs schon fünf Minuten aus. Setz dich in deinem Bürostuhl zurück, schau aus dem Fenster und versuche, dich auf deinen Atem zu konzentrieren: wie die Luft kühl in deine Lunge strömt und warm wieder hinaus. Glaub mir, schon diese kleine Übung hat es in sich. Oft springen unsere Gedanken wie übermütige Kinder herum, von A nach B, und sie wieder einzufangen, ist total knifflig. Die kurze Atem-Meditation kannst du immer und überall im Alltag einbauen – ob in der Schlange beim Supermarkt oder vor der Frauentoilette in der Bar. Lass deinem Geist eine kurze Pause zukommen.

Und jetzt: abschalten!

Das waren in jeder Folge die letzten Worte von Peter Lustig, wenn er seine Kindersendung „Löwenzahn“ abmoderierte. Der Mann hatte so recht! Auch wir sollten heutzutage viel öfter wortwörtlich abschalten. Das ist jetzt natürlich schwieriger als zu Zeiten, in denen der Fernseher das einzige Medium im Wohnzimmer war. Mittlerweile tragen wir unsere Mini-PCs ja in Handyform überall mit uns herum. Dabei merken wir gar nicht, wie die Zeit verrinnt, während wir durch die sozialen Medien streifen. In der Woche vor Ostern habe ich eine Digital-Detox-Kur gemacht, jeden Tag auf einen anderen digitalen Helfer verzichtet, und es hat mir total gutgetan. Vielleicht warst du ja auch dabei. Dann weißt du, was ich meine.

Keine Sorge, du musst nicht von jetzt auf gleich auf kalten Entzug gehen. Versuch einfach zunächst, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie viel Zeit du täglich in deiner digitalen Welt verbringst. Dann kannst du Stück für Stück Grenzen setzen. Zum Beispiel kannst du die Regel aufstellen, dass das Handy zu Hause bleibt, wenn du mit deinen Liebsten zum Essen gehst. Oder du legst fest, dass du um 21 Uhr das letzte Mal auf das Handydisplay schaust und es danach für die Nacht zur Seite legst. Nicht nur deine Gedanken kommen so abends besser zur Ruhe, das blaue Licht des Handys hält auch unsere Körper wach und verhindert ein seliges Einschlafen. Insbesondere wenn du damit also Probleme hast, solltest du das Handy weit von deinem Nachttisch entfernt zur Nachtruhe betten. 

Und nun: abschalten. Handy zur Seite legen, Laptop zuklappen und ganz bewusst nachforschen: Wie schmeckt eigentlich dein Kaffee?