Madame Missou

Karneval – Das Fest der vielen Gesichter

Bonjour, Alaaf und Helau! Die Karnevalszeit ist grade vorbei. Zwischen all den bunten Kostümen ist mir klar geworden, dass wir uns auch im Alltag stets ein wenig verkleiden. Es mag nicht Katze, Pirat oder Fee sein, aber je nach Situation setzen wir doch auch außerhalb der Faschingszeit Masken auf, oder?

Nicht jeder ist ein Fan der fünften Jahreszeit. Und das kann ich auch vollkommen verstehen. Viele finden es albern oder sagen, es ginge sowieso nur noch darum, möglichst viel Bier zu trinken. Bien sûr, ganz unrecht haben sie damit sicherlich nicht. Meine Freundin Fabienne und ich gehören allerdings zu der Sorte Mensch, die das bunte Treiben genießt und sich gerne mal in eine zierliche Elfe, ein furchteinflößendes Gespenst oder einfach nur in das andere Geschlecht verwandelt. Einen Tag lang jemand völlig anderes verkörpern, das kann ganz schön verlockend sein. Vielleicht liegt es daran, dass das Fest Menschen rund um den Globus begeistert.

So feiert der Rest der Welt:

Seit fast 200 Jahren feiern wir in vielen Teilen Deutschlands traditionell Karneval, daher sind uns die Bräuche hierzulande mittlerweile recht gut bekannt. Aber wie sieht es mit dem Rest der Welt aus? Von dem farbenfrohen Karneval in Rio haben wir schon oft Bilder gesehen, aber wusstest du zum Beispiel, dass auch in Russland ausgiebig, nämlich knapp eine Woche lang, gefeiert wird? Statt Süßigkeiten vom Wagen und Bier vom Fass, gibt es dort Pfannkuchen mit Honig und Kaviar, die „Belini“ heißen und mit Wodka serviert werden. Die gelben, runden Gebäcke symbolisieren dabei die Sonne. Zu russischer Volksmusik wird gefeiert, getanzt und sportliche Wettkämpfe, wie zum Beispiel Klettern oder Boxen, werden veranstaltet. Ganz schön exotisch, non? Einen Hauch von Rio kannst du übrigens auch in meiner Heimat Frankreich erleben. In Nizza kommen alljährlich 25 Tonnen kleine gelbe Mimosen bei der „Blumenschlacht“ zum Einsatz. Was für ein Spektakel!

Heute bin ich …

Aber nun zurück nach Deutschland und dem hier üblichen Verkleiden: Die Karnevalswoche ist eine Zeit, in der es in erster Linie darum geht, Spaß zu haben und den Alltag hinter sich zu lassen. Die Straßen sind bunt, Konfetti regnet vom Himmel und kein Mensch sieht mehr aus wie vor zwei Tagen. Da lässt es sich leicht in andere Welten abtauchen. Weg von Regeln, Normen und Verantwortung. Perücke auf und los geht’s.

Warum lieben wir es so sehr, uns als jemand oder etwas Anderes auszugeben? Der sonst so konservative Chef wird mit seinem Star-Trek-Kostüm zum offenen Gesprächspartner und die introvertierte Nachbarin mit ihrer grünen Perücke zur Entertainerin des Abends. Durch das kollektive Verkleiden lockern sich auch die Zwänge, die wir im Alltag und unserer Position darin verbinden. Durch Masken, Perücken und Kostüme fällt es uns leichter, uns so zu zeigen, wie wir wirklich sind oder gerne wären. Aber attention: Dieses Gefühl, die eigene Persönlichkeit für den Moment hinter sich lassen zu können, kann auch in gefährliche Gefilde locken. Gönn dir Spaß, aber mach nichts, das du beim Erwachen am nächsten Morgen – zurück in deiner Welt – bereuen würdest.

Masken gibt es nicht nur in der Faschingszeit

Auch im Alltag tragen wir häufig Masken – unsichtbare Masken, die uns zu der Person werden lassen, die in dem Augenblick gefordert ist. Die strebsame Angestellte auf der Arbeit, die weise beste Freundin bei Liebeskummer, die verrückte Tante/Cousine/Schwester der Familie. Wir sind eintausend Personen – jeden Tag. In gewissen Situationen ist das sehr praktisch. Es hilft uns buchstäblich wie ein Schauspieler in die jeweilige Rolle zu schlüpfen. Klar, wir können uns der Mutter gegenüber nicht so verhalten wie der besten Freundin oder dem Kumpel aus dem Sandkasten gegenüber nicht so wie dem Kunden. Masken zu tragen ist also per se nichts Schlimmes. Wir tun es alle und es ist uns so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir die „Rollenwechsel“ meist schon gar nicht mehr bemerken.

Wichtig ist nur, dass aus unseren Alltagsmasken nicht im wahrsten Sinne eine Verkleidung wird. Deine Persönlichkeit ist vielschichtig und das darf und soll auch so sein, aber es wäre sehr schade, wenn du eine Fassade aufbauen und dadurch Charaktereigenschaften oder Talente zurückhalten würdest, die in dir schlummern und sich zeigen wollen. Ansonsten werden du und deine Mitmenschen nie ganz von deinem vollen Potential erfahren und profitieren können.