Madame Missou

Vielleicht ist weniger doch mehr

Ein neues Paar Schuhe hier, ein paar extra Lebensmittel dort und im Vorbeigehen noch schnell die schöne Handtasche mitnehmen – Konsum ist in unserer Gesellschaft alltäglich und oft bemerken wir gar nicht, wie viel wir ansammeln. Ich habe mich mit dem Gegenteil beschäftigt – dem Minimalismus. Ein sehr interessanter Ansatz, wie ich finde.

Hast du schon einmal von „Diogenes aus der Tonne“ gehört? Nein, ich meine nicht den von der Sesamstraße – das ist Oscar. Diogenes war ein griechischer Philosoph, der davon überzeugt war, dass alles, was wir über das absolut Notwendigste hinaus besitzen oder tun, uns unglücklich macht. Er erkannte nur die wirklich elementaren Bedürfnisse, zum Beispiel nach Nahrung und Schlaf, als notwendig an und versuchte, allen anderen zu entsagen. Dazu gehörte auch, sich von fast allem materiellen Hab und Gut zu trennen. So wohnte Diogenes nicht in einem Haus, sondern in einem Vorratsfass – daher der Name. Die Überlieferung besagt weiterhin, dass er einen Becher besaß, um daraus zu trinken. Als er jedoch ein Kind sah, das aus der hohlen Hand trank, warf er den Becher fort und ärgerte sich, weil ein Kind ihn an Bedürfnislosigkeit übertroffen hatte.

Das ist natürlich eine Extremform des Minimalismus. Keine Sorge, du musst jetzt nicht in eine Mülltonne ziehen und all dein Geschirr wegwerfen. Es reicht meist schon, ein bisschen bewusster mit den Dingen umzugehen, die uns umgeben.

Zurück zum Glück

Alors, heutzutage haben viele das Gefühl, sich zwischen Termindruck, Konsum und Überfluss, also zwischen diesem „Mehr“ förmlich zu zerreiben. Bei mir geht es manchmal schon so weit, dass ich mich gestresst fühle, wenn ich bei der neuesten Netflix-Serie nicht hinterherkomme. Etwas, das mich eigentlich entspannen sollte! Da wird das Brötchen schnell vor dem Fernseher verschlungen, nebenbei noch gespült und am Ende habe ich von meiner Serie nichts mitbekommen und mit welchem Aufschnitt mein Brot belegt war, weiß ich auch nicht mehr. Das muss doch nicht sein!

Der Minimalismus bietet genau dazu eine Alternative – eine Art ruhiger Waldweg neben der dreispurigen Autobahn. Es geht darum, den Konsum – auch den Medienkonsum – bewusst einzuschränken und sich wieder auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Auf die Freunde, die Familie und das Wesentliche, statt sich immer nur „berieseln“ zu lassen. Wann bist du zum Beispiel das letzte Mal ohne Kopfhörer Fahrrad gefahren und hast auf die Geräusche der Natur gelauscht? Das kann unheimlich entspannend sein.

So setzen wir Minimalismus im Alltag um

Minimalismus kann in nahezu allen Situationen unseres Alltags angewandt werden. Zum Beispiel in deiner Wohnung. Da verstecken sich vielleicht noch riesige Schlaghosen und knallbunte Neontops im Kleiderschrank, die ja noch einmal „in Mode kommen könnten“. Und hast du auch eine undefinierbare Kiste, in die alte Urlaubs- und Glückwunschkarten wandern und für immer vergessen werden? Arrêt! Jetzt wird es minimalistisch im Schrank!

Dafür kannst du wunderbar das Drei-Karton-System nutzen. In die erste Kiste kommen Sachen, die du behalten willst, in den zweiten Karton die Dinge, die du verschenken, verkaufen oder eben wegwerfen möchtest. Der dritte Karton ist eine Art Grauzone. Hier verstaust du alles, bei dem du dir unsicher bist. Dann kommt er in den Keller oder auf den Dachboden. Alles, was nach einem Jahr noch drin ist, muss leider gehen. Du wirst sehen, wie gut dieser Befreiungsschlag tut und dass du dich danach wie ein ganz neuer Mensch in deiner Wohnung fühlst.

Mit Minimalismus Zeit organisieren

Du hast richtig gelesen. Auch das geht – ziemlich gut sogar! Denn was für materielle Dinge gilt, lässt sich auch auf Termine übertragen: Zu viel ist schlecht! Es gilt also, den Terminkalender im Zweifel auszumisten.

Dafür müssen wir uns zunächst einmal bewusst machen, welche Aufgaben wir zu erledigen haben und welche davon dringend, wichtig oder eher unwichtig sind, beziehungsweise noch Zeit haben. Zeitmanagement nutzt Lücken in der Terminplanung aus, aber dafür müssen diese Lücken natürlich auch da sein. Wichtige und dringende Aufgaben erledigst du also sofort, wichtige, aber nicht so dringende Aufgaben kannst du terminieren, andere vielleicht abgeben. Und unwichtige und nicht dringende Aufgaben – ab in den Papierkorb damit! So wird dein Terminplaner schlanker und passt sich dem Minimalismus an.

Mehr Tipps für einen cleanen und minimalistischen Lebensstil verrate ich dir in Madame Missou lebt minimalistisch. Schau mal rein!